Daten Craemerstrasse http://www.aastra-aachen.de/work/Strassen/Kraemerstrasse/StrasseD.html Markt und Münsterplatz. Innerhalb des inneren Mauerringes, mittelalterliche Straße. Gehört zu den ältesten Straßen der Stadt. Von Hühnermarkt bis Münsterplatz. 1279, erste Erwähnung als "inter istitores" 1286, inter apothecas (u.a. zählten die Nadel- Knopf und Krämpenmacher, Buchbinder, Bleigießer, Klempner und auch die Apotheker sowie die Verwalter einer jeden Warenniederlage zu den Kleinhändlern (apothecari = Aufbewahrungsort, Niederlage). Über dem Rang eines Kleinhändlers oder Handwerkers stehen die "vornehmen Kaufherren", die zur Bockzunft gehörten. 1460, die Kreme 16. Jahrhundert, under de Kreem 1650, die Krem (während der Franzosenzeit rue des marchands) 1777, Krähm 1845, Krämerstraße (Mundart: ejjen Kriem. Hier spricht man die Vokale "ie" getrennt also Kri-em.) 1857, durch Anschluss des Straßenstückes vom Hühnermarkt bis Markt, jetzt von Markt bis Münsterplatz verlaufend. 1297, Bildung eines Wohnquartiers für Händler und Kaufleute. Es ist die Hauptgeschäftsstraße des mittelalterlichen Aachens. Während der Reichsstädtischen Zeit war sie die Grenze zwischen der Ponttor- (westliche Seite) und der Adalbertstorgrafschaft (östliche Seite). 1801 bis 1857, in der französischen Zeit diente sie als Scheidelinie bei der Stadtaufteilung in Sektion A und Sektion B. Vom Ponttor angefangen über Pontstraße, Markt, Krämerstraße, Wirichsbongardstraße bis zum Wirchsbongardtor, (stand im Garten des Hauses Theaterstraße 33), teilten die Franzosen die Stadt in zwei Hälften. Die Häuser vom Ponttor an erhielten auf jeder Seite von 1 beginnend eine fortlaufende Nummer. Davor trugen die Häuser phantasievolle Namen oder wurden durch Zeichen kenntlich gemacht. Auch Personennamen, Berufe, Gegenstände oder Begebenheiten wurden verwendet. 1857, wird die heutige Nummerierung eingeführt und seitdem führt der Postwagen, die Traditionsgaststätte neben dem Rathaus, unter dem Granusturm die Hausnummer 2. Geschichte Haus Nr. 2 Am Granusturm, "Eulenspiegel" und "Postwagen". Ursprünlich handelt es sich um zwei Häuser. 1657, nennt man das größere der beiden Häuser den "Eysseren cram". Die Namensdeutung ist nicht erforscht. Ein typisches Aachener Haus -Ziegelmauern mit Fenstereinfassungen aus Blaustein-. 1656, der großen Stadtbrand zerstört das gotische Haus. Ein daneben entstandener kleinerer Holzbau hieß "Zum Gulden Hunt". (Nach Dr. Wilhelm Mummenhoff: "Zum goldenen Hut"). Ein goldverziertes Drechslerwerk im Aachener Barock. Die beiden Häuser gelangen in den Besitz der Familie Bremerkamp. Es wird mit Spezereiwaren und Lebensmitteln gehandelt, teilweise auch an verschiedene Gewerbetreibende vermietet. So u. a. das Holzhaus an einen Buchhändler mit Namen Freialdenhoven. Er war des Schreibens unkundig, und verkaufte seine Bücher nach Größe und Gewicht. Um keinen Schaden zu erleiden kaufte er seine Ware zu den gleichen Bedingungen auch ein. Beim Verkauf war er sehr wortgewaltig und erfand die abenteuerlichsten Geschichten. Alles das trug dazu bei, dass der Volksmund ihn einen "Eulenspiegel" nannte und diesen Namen auf das ganze Haus übertrug. Seine Frau handelt mit Knöpfen und Schnallen. Küche, Schlaf und Wohngemach sind in trauter Einheit in einem Raum untergebracht. Es folgte ein Mieter Namens "Milhan", ein Zinngießer. 1860, Frau P. A. Heller betreibt hier ein Spielwarengeschäft. Im Volksmund ist sie die Frau "Üllespejjel". Das Spielwarengeschäft verlegt sie in das gegenüber liegende Haus, das bis dahin "Weinfass" hieß und nun als Haus "Zum Eulenspiegel" stadtbekannt wurde. (Hier wird seit dem Jahr 2000 Tee und Zubehör angeboten.) 1880, der Verfall der alten Häuser ist nicht mehr zu übersehen es droht das endgültige Aus. Hinzu kommt, dass man auch hier das Rathaus freilegen will. Einhalt gebietet Oberbürgermeister Ludwig von Weise, der sich vehement für die Erhaltung des Bauwerkes einsetzt. 1885, die Häuser gehen in das Eigentum der Stadt über. 1902, kommt Georg Buchmeier und mit ihm die Gaststätte "Till Eulenspiegel" in die beide Häuser. Er lässt das Lokal elektrifizieren. Nicht nur die Beleuchtung des Lokals auch die Bratpfanne und die Bankheizung wird durch Strom gespeist. Eine echte "Eulenspiegelei" gestattet sich das Städtische Elektrizitätswerk. Zur Strafe für den erhöhten Stromverbrauch kommt prompt eine Mitteilung über eine Erhöhung des Strompreises. Buchmeier ist der Sache gewachsen. Über Nacht speist er seine Anlagen nicht mehr mit Strom sondern mit Gas. 1900, werden beide Häuser "Till Eulenspiegel" genannt. Anschließend bekommen sie die Bezeichnung "Postwagen", die sich bis heute erhalten hat. 1905 - 1907, verpachtet Buchmeier den "Postwagen" an das Ehepaar Richard und Javiera Wegener. 1907, der Postwagen geht Bankrott. Buchmeier steigt wieder ein und bringt den Postwagen auf alt bekannte Höhe. 1935, nach dem Tode von Georg Buchmeier übernimmt sein Sohn den Postwagen 1942, das vorläufige Ende der beliebten historischen Anlage kam jäh; bei einem Bombenangriff wird beinahe alles zerstört. Ein mittelalterliches Kleinod liegt in Schutt und Asche. Besonnene Helfer unter dem Stadtbaumeister Königs sorgen dafür, dass möglichst viele Einzelteile aus den Trümmern in Sicherheit gebracht werden, um einen Wiederaufbau zu gewährleisten. Gleich nach Kriegsende ist es dann so weit. 1949, der Wiederaufbau wird begonnen. Im Winkel zwischen Granusturm und Rathaus entsteht der neue Postwagen, so wie ihn schon unsere Vorfahren kannten: Ein niedriges zweigeschossiges Holzhaus, das mit seinen gewundenen Säulen und dem gebauchten vorstehenden Obergeschoss vom Volksmund als "Postwagen" bezeichnet wird. 1949 22. März, der Postwagen mit Franz Lüttgens wird neu eröffnet. Er hatte ihn in seiner ursprünglichen Gestalt wieder errichtet; als 3geschossiges Backsteinhaus mit Walmdach und Kreuzstockfenstern in Blaustein; der "Postwagen" 2geschossig, EG Fachwerk mit Backsteinausfachung, Obergeschoss vorkragend, ganz in Holz. 1968 1. Mai, übernimmt ihn Willy Vonderbank. Er führt Postwagen und Ratskeller zu einer gastronomischen Einheit zusammen. 1993 7. Januar, die populäre Gaststätte "Zum Postwagen" wird unter neuer Leitung (seit 1.1.1993 geschlossen) wieder eröffnet. 2004, nach grünlicher Sanierung, Umgestaltung und Renovierung übernimmt Maurice de Boer, den Ratskeller einschließlich Postwagen. Er investiert 500.000,00 EURO und bindet sich zunächst für 14 Jahre. Einbezogen wird auch die Terrasse zum Katschhof hin, wovon de Boer sagt: "Das ist doch eine Open-Air-Lounge erster Güte an einem der schönsten Plätze Europas". Die Sanierung des "Postwagen" wurde von vielen Spendern und dem Rathaus-Verein unterstützt. 1959, Neben dem wuchtigen karolingischen Granusturm des Rathauses lehnt sich das neue Gebäude des Standesamtes an. Dieser Bereich gehört bis 1782 noch zum Hühnermarkt. Das erste Haus neben dem Granusturm heißt "Zur Uhrglocke", hier wohnt der Glöckner der Granusturmglocke. Es ist ein schmales Haus mit einen außen gelegenen Treppenhaus, das Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Seitdem ist der Zugang durch das nebenstehende Gebäude. 1737 ist das Haus die Dienstwohnung des Bürgermeisterdieners und gleichzeitigem Chronisten der Aachener Geschichte, Johanns Jansen. Das Nachbarhaus heißt "Zum Stern", in dem die Kleinhändlerin Degive noch 1812 ein Geschäft betrieb. Ihr gehört auch das Nebenhaus "Zum Falken" mit einem Zugang vom Katschof her. Beide Häuser werden schon 1722 eine Einheit. "Zum Gülden Ring" heißt das Haus an der Ecke Katschhof. Hier wohnt Kanonikus Johann Theodor Käntzeler mit seiner Frau. Sie ist die Schwester von Maria Barbara Odilia Käntzeler der Gattin des berühmten Aachener Arztes Dr. med. Heinrich Hahn. Nach dem Abriss der Häusergruppe 1897 entstand hier ein kleiner Verwaltungsbau, der nach der Trümmerbeseitigung des 2. Weltkrieges durch das neue Standesamt ersetzt wird. Als Beispiel für die Hausbezeichnungen in der Krämerstraße, als es noch keine Nummerierung gab, hier eine kleine Aufstellung: Heute Nr.: 2 Zur Spille (Spindel) 4 Zum goldenen Hahn 6 Zum Gerst und Zum goldenen Fisch 8 Rad von Aventure 10 Zum goldenen Spiegel 12 Zum goldenen Kreuz 14 Elster und Haupt 16 Zum goldenen Wagen 18 Zum goldenen Pflug 20 Zur Scher 22 Zur gulden Faust 24 Zum Gulden Bogen 26 Zum goldenen Rosenkranz 28 Zu den 3 Kronen 30 Zur Königin von Frankreich 32 Zur Ros 34 Zum Eisen 1 Zum großen goldenen Apfelbaum 3 Zum kleinen goldenen Apfelbaum 5 Die Sonne 7 Die große Wechselbank 9 Die kleine Wechselbank 11 Der goldene Löwe 13 Die goldene Glocke 15 Die Windmühle 17 Zum weißen Lämmchen 19 Zum weißen Pferd 21 Zum kleinen güldenen Baum 23 Zum großen güldenen Baum 25 Prince von Salm 27 St. Niclas 29 Zum Hl. Geist Haus Nr. 20 bis 34 1851, gründet Carl Appelrath im Haus Nr. 24 einen Hosenladen. 1883, wird das Haus umgestaltet. In zwei Abschnitten entsteht ein vier geschossiges Geschäftshaus. Der Bau hatte eine eindrucksvolle Höhe, sodass man glauben konnte das Münster und der Bau wären eins. Den hier stattfindenden Hosenverkauf und die Größe des Hauses übertrugen die Aachener in den Begriff "Boxemünster". Die Stadtverordneten Versammlung legte Rekurs ein gegen den das Münster entstellenden hohen Neubau des Konfektionsgeschäftes C. Appelrath. Die Bauerlaubnis war zunächst vom Polizeipräsidenten verweigert, jedoch von der Regierung erteilt worden. 1905, das Unternehmen wird von Hermann Nagel übernommen, und er erwirbt die kleinen Nachbarhäuser. 1909 - 1911, das Haus wird durch Buchkremer umgebaut und erweitert. Der Dachstuhl und ein Teil des vierten Stockwerkes werden entfernt. Dadurch kommt das gotische Chor des Münsters wieder besser zur Geltung. Der Bau erfährt eine seitliche Ausdehnung, die Katschhofseite erhält eine Werksteinfassade in neuromanischen und neugotischen Schmuckformen. 1990, nach einem weiteren Umbau sind dort unterschiedliche Geschäfte entstanden und beleben die Krämerstaße durch ein buntes vielseitiges Angebot. Haus Nr. 1 "Zum goldenen Apfelbaum" 1755, das Haus wird von Couven oder einem Couvenschüler umgestaltet. Es bietet ein Beispiel für die in Aachen mehrfach anzutreffenden Treppentürmchen, die die sogenannten Spindeltreppen aufnehmen. Im Zweiten Weltkrieg zerstört; unter Verwendung von Blausteinrückwänden des ehemaligen Hauses Jakobstraße 120 nach dem Krieg als Backstein-Neubau wiederaufgebaut. Haus Nr. 29 "Zum heiligenGeist" 1656, nach dem Stadtbrand, der Kirche St. Foillan vorgebautes Haus. 1948, es gelingt das durch den Krieg total zerstörte Haus wieder aufzubauen. Leider sind die Blausteine des vor dem Einsturz stehenden Gebäudes nicht wieder zu verwenden. Es wird erreicht, die im Winkel zur Kirche vorspringende Südseite, unter Einbeziehung der wieder eingebauten Kreuzstockfenster und der steinernen Dachluke, den ursprünglichen Eindruck zu vermitteln. Haus Nr. 8 "Rad von Aventure" Hier kommen Forscher in Erlärungsnotstand. Die Bezeichnung während der reichsfreien Zeit -"Rad von Aventure"- gibt Rätsel auf: im Französischen heißt Aventure "Abenteuer", im Niederländischen heißt "avontuur" Abenteuer und in der Aachener Mundart heißt "Aventür" gleichfalls Abenteuer. So deutet man die Bezeichnung mit Glücksrad. Die Geschichte dieses Hauses ist vielschichtig. 1656, vor dem großen Stadtbrand ist es im Besitz des Johann Blees. 1670, 12. Juli,, die Witwe, geb. Maria Fingers, schenkt es ihrem Aythumb (Eidam = Schwiegersohn) Wilhelm Fingerhut. 1675 6. Juli, das Haus fällt Johann Persweydt zu. der bekannte dem Philipp Gentis 81 Thaler zu schulden und setzte das Haus zum Pfand. 1686, bestätigt ein Verkaufsakt zwischen Kämmerling und Erbengemeinschaft Fingerhut den Übergang an Fingerhut. 1712 7. März, verkauft Hermann Diederich von Witgenstein das Haus seinem Schwager Leonarden Ringels. Kaufpreis 1.200 Reichsthaler. Beide gehören zu den Erben Fingerhut. 1741, 1. Juli, verkauft sein Sohn Christian Ringels, der mit Maria Theresia Dautzenberg verheiratet ist, das Anwesen an Carolus Joseph Liertz und seine Gattin Maria Sibilla Houben, 1812, ist es noch im Besitz der Eheleute Houben. Gegenüber dem Münsterchor am malerischen Eingang der Krämerstraße steht die Pfarrkirche St. Foillan (siehe Münsterplatz) Der Puppenbrunnen 1975, die in Bronze geschaffene Komposition ist ein Werk des Aachener Künstlers und Bildhauers Bonifatius Stirnberg und ein Geschenk der Aachener Bank aus Anlass ihres 75jährigen Geschäftsjubiläum an die Stadt und die Bürgerschaft. Alle Figuren sind beweglich und bestehen aus 200 beweglichen Einzelteilen. Das Figuren-Enseble zeigt Aachener Typen und spezifische Personen. So sind dargestellt: der Domherr; die historisch Marktfrau; der Hochschulprofessor; Reiter und Pferd; der Harlekin und eine Puppe. Die Brunnenwanne wird von vier reliefartigen Masken geziert. Zum Abschluss und als Spitze setzt Stirnberg den krähenden Hahn. Bei der Aufstellung hatte man nicht bedacht, dass in den warmen Sommernächten die Spätheimkehrer noch gerne an und mit den Figuren spielen würden. Bei geöffneten Fenstern und der engen Krämerstraße führte das zu unangenehmen Lärmbelästigungen. Nachträglich wurde deshalb ein Springbrunnen rund um das Kunstwerk eingebaut und damit verhindert, dass zu nächtlicher Zeit das Spiel mit den Puppen stattfindet. Er ist eine Attraktion der Neuzeit in der Krämerstraße. Nicht nur die Aachener haben ihn in ihr Herz geschlossen. Auch die Besucher der Stadt werden magisch davon angezogen. Selbst die in Hektik Vorbeieilenden strecken noch schnell die Hand nach den einzelnen, liebevoll gestalteten Figuren aus, um sie in die "richtige" Haltung zu bringen.